Alle reden von Integration, die DKMS hat sie schon längst…

29.03.2007: Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) hat vor Jahren erkannt, dass es für türkisch-stämmige Patienten in Deutschland sehr schwierig ist, einen passenden Lebensretter zu finden. Seit Ende 1997 versuchen die DKMS und Cem Özdemir deshalb türkische Mitbürger zu motivieren, sich als Stammzellspender aufnehmen zu lassen. Nur so kann für Leukämiekranke türkischer Abstammung die Chance vergrößert werden, einen passenden Stammzellspender zu finden. Ein Interview mit "leben", Magazin der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS).


Herr Özdemir, warum ist es so wichtig, dass sich noch mehr türkisch-stämmige Menschen als Stammzellspender registrieren lassen?

Die Kombinationen der Gewebemerkmale von Spender und Leukämiepatient müssen zum Gelingen einer Transplantation nahezu identisch sein. Da diese Kombinationen aber regional voneinander abweichen, ist es bei Menschen mit Migrationsgeschichte problematischer einen "genetischen Zwilling" zu finden. Die Suche für in Deutschland lebende türkische Einwohner durch die DKMS ist umso wichtiger, weil die Türkei selbst leider keine eigene Fremdspenderdatei führt. Aus diesem Grund haben wir uns zum Ziel gesetzt, auch türkisch-stämmigen Patienten durch eine Transplantation, die Chance auf ein neues Leben zu ermöglichen.

Seit wann engagieren Sie sich für die DKMS?

Los ging es schon 1998 mit einem Pressegespräch in den Räumen der DKMS Zentrale in Tübingen. Damals waren so gut wie keine türkisch-stämmigen Spender in der DKMS registriert. Für türkische Patienten war die Suche nach einem passenden Stammzellspender sehr, sehr schwierig.

Zwei Jahre später haben wir in Berlin auf einer großen Pressekonferenz mit einer türkischen Stammzellspenderin und einem Patienten dazu aufgerufen, dass sich noch mehr Türken bei der DKMS melden. Seitdem gab es immer wieder bundesweit Typisierungsaktionen für türkische Patienten, bei denen ich auch gerne die Schirmherrschaft übernommen habe wie zuletzt in Berlin für die kleinen Geschwister Melisa und Mirac, als Ende Januar über 2500 neue Stammzellspender hinzukamen.

Seit 1997 konnte die DKMS fast 33.000 türkische Mitbürger in die Datei aufnehmen darunter auch prominente Persönlichkeiten wie den türkischen Popstar Tarkan oder die Schauspielerin und Autorin Renan Demirkan. Sind Sie selbst auch potenzieller Lebensretter?

Ich habe mich recht früh registrieren lassen. Es wäre ja auch unglaubwürdig, wenn ich mich für die Stammenzellenspende einsetze, aber selbst nicht mitmache.

Die DKMS veröffentlicht ihre Informationsmaterialien auch in türkischer Sprache, die Internetseiten sind auf türkisch und es gibt türkischsprachige Mitarbeiter sowohl bei der Aufnahme in die DKMS, als auch in der medizinischen Beratung im Falle einer Entnahme. Was kann die DKMS noch besser machen in der Ansprache von in Deutschland lebenden türkischen Mitbürgern?

Eine gezielte Ansprache mit türkischsprachigem Material ist sicherlich hilfreich für die Aufklärungsarbeit, die noch immer in den Kinderschuhen steckt. Damit erreichen wir insbesondere auch ältere Menschen, da haben einige sicher noch Vorurteile oder Vorbehalte gegenüber einer Stammenzellenspende. Aufrufe zur Spende können über die türkischsprachigen Medien verbreitet werden. Broschüren können in türkischen Cafes ebenso ausgelegt werden wie etwa am Schalter der Türkischen Konsulate oder in Moscheen, wo übrigens auch schon Typisierungsaktionen stattgefunden haben. Alles, was hilft, die Menschen zu erreichen, ist nützlich. Vielleicht setzt dann auch ein Schneeballeffekt ein. Wenn einer gespendet hat, kann er seine Familie, Freunde und Bekannten möglicherweise auch davon überzeugen. Und natürlich müssen wir auch versuchen, jüngere Menschen zu erreichen, die häufig besser Deutsch als Türkisch sprechen, z.B. über die Schulen. Aber ich bin sicher, dass die türkischsprachigen Mitarbeiter der DKMS daran selbst schon gedacht haben.

Was können Sie als Abgeordneter noch tun, um Menschen zu motivieren?

Ich werde auch weiterhin an Aktionen teilnehmen und versuchen, die Menschen von der Nützlichkeit einer Stammzellenspende zu überzeugen. Ich würde mir außerdem wünschen, dass es irgendwann auch in der Türkei eine Spenderdatei gibt.

Quelle: leben - Magazin der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS), 01/2007

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