Köln wird für Cacau zum gelobten Land
22.02.2010: Der gebürtige Brasilianer und deutsche Nationalspieler trifft wieder - und wie. Im Spiel gegen Köln schaffte er einen lupenreinen Hattrick. Seine vier Tore verzückten die Fußballnation - und auch den Vorsitzenden der Grünen. Ein Gastbeitrag von Cem Özdemir im Rahmen der Geburtstagsausgabe der Financial Times, bei deren Gestaltung er in die Rolle des Chef-Redakteurs schlüpfte.
Viermal durfte Cacau Jesus dankend die Hände zum Himmel heben. Noch ein herrlicher Kopfball von Pogrebnjak, bevor der 1. FC Köln mit 5:1 zu Hause gedemütigt wurde. Ob damit der Mario-Gomez-Komplex beim VfB endgültig abgelegt ist, werden die nächsten Spiele zeigen.
Bereits jetzt ist klar, dass das fulminante Comeback des zuvor verletzungsbedingt ausgefallenen Stürmers am Samstag der ganzen Mannschaft Beine macht. Seitdem er im vergangenen Jahr den deutschen Pass bekommen hat, gehört der gebürtige Brasilianer auch zum erweiterten Kader der Nationalmannschaft. Zu Hause in Korb, im Remstal, ist er so populär, dass er bei der Bürgermeisterwahl im März 2009 sechs Stimmen erhielt, ohne auf der Kandidatenliste zu stehen. Vielleicht deutet sich hier ja eine zweite Karriere nach dem Fußball an. Doch wer Cacau kennt, weiß, dass ihn sein Weg wohl eher in die Verkündigung des christlichen Glaubens führen dürfte, wenn er die Fußballschuhe eines Tages an den Nagel hängt.
Sein Weg in die Schwabenmetropole war alles andere als vorgezeichnet. Jeronimo Maria Barreto Claudemir da Silva, wie er mit vollem Namen heißt, kam über Nacional AC São Paolo erst in die fünftklassige Landesliga zu Türk Gücü München (übersetzt: Münchner türkische Kraft), bevor ihn der VfB dem 1. FC Nürnberg abspenstig machte. Kein geringerer als Felix Magath holte ihn 2003 an den Neckar.
Dabei gab es Zeiten, als der Verein sich vom mittlerweile dienstältesten Spieler des VfB trennen wollte und er auf die Einhaltung seines Vertrages pochen musste. Nach dem Wegkauf des Kultstürmers Gomez durch die Bayern ist er auf dem besten Weg, zum neuen Superstürmer zu werden. Wenn da nur nicht sein gelegentlicher Eigensinn wäre, wie man beim 2:0 wieder sehen konnte. Eine Situation, in der ein Abspiel sicher geboten gewesen wäre, auch wenn ihm das Tor recht zu geben scheint. Ein wenig mannschaftsdienlicher, und der VfB hätte endlich den Stürmer, um auf Dauer im oberen Drittel der Bundesliga mitspielen zu können.
Ob es für die WM in Südafrika reicht, wird man sehen. Die bislang vier Auftritte in der DFB-Auswahl jedenfalls dürften sicher nicht die letzten gewesen sein. Am Dienstag kann Cacau sich mit der Spitze des Weltfußballs messen: Der FC Barcelona kommt mit seinen Weltstars nach Stuttgart. Die Herzen der Fans hat er jedenfalls am Samstag endgültig für sich gewonnen.










