Auf zu neuer Bildung - Grüner Bildungskongress in Gelsenkirchen

20.02.2010: In diesem Jahr steht mit Nordhrhein-Westfalen nur eine Landtagswahl an – aber die hat es in sich. Zwischen Münster und Köln wird Bildungs- und Schulpolitik eines der dominierenden Themen, wenn nicht gar das Thema überhaupt sein. Das ist auch für Baden-Württemberg relevant, wo 2011 gewählt wird. Ein Text von Cem Özdemir im Rundbrief des KV Stuttgart von Bündnis 90/Grünen.

Liebe Freundinnen und Freunde,

in diesem Jahr steht nur eine Landtagswahl an – aber die hat es in sich. Am 9.Mai 2010 geht es in Nordrhein-Westfalen darum, Schwarz-Gelb abzulösen und damit auch deren Mehrheit im Bundesrat zu brechen.

Zwischen Münster und Köln wird Bildungs- und Schulpolitik eines der dominierenden Themen, wenn nicht gar das Thema überhaupt sein. Zur Wahl steht eine neue Schule, die für alle gerechter und leistungsfähiger ist oder eine rückwärts gewandte Bildungspolitik, die renitent am mehrgliedrigen Schulsystem festhält und Kinder nach ihrer sozialen Herkunft nach der vierten Klasse aussortiert. Zugleich zeigt das Hamburger Beispiel, auf welchen Widerstand Schulreformen stoßen können.

Wir Grüne spielen in der Schuldebatte eine besondere Rolle, wir kommen aus der Bildungsreform von unten. Insofern sind wir geradezu prädestiniert, die Ideologisierung in dieser Auseinandersetzung zu überwinden. Denn während die eine Seite die Schulstrukturen ändern will, lehnt die andere das vehement ab und will im bestehenden mehrgliedrigen Schulsystem die Qualität verbessern. Wir hingegen sagen schon lange, dass beides zusammenkommen muss: Das längere gemeinsame gemeinsame Lernen ebenso wie die Verbesserung der Unterrichtsqualität und der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrer. Wir wollen selbständigere Schulen und Initiativen vor Ort mehr Raum geben. Wenn etwa Schulen zu einer Gemeinschaftsschule fusionieren wollen und die Gemeinde es unterstützt, dann sollte das Ministerium keine Steine in den Weg legen, wie etwa in Nordrhein-Westfalen geschehen. Auch in Baden-Württemberg gab es Rektoren, die einen Brandbrief geschrieben haben, dass die Hauptschule nicht nur schlecht geschminkt, sondern tot ist.

Doch wenn wir die Bildungslandschaft nachhaltig verändern wollen, brauchen wir nicht nur Bündnispartner bei den anderen Parteien. Genau hier setzt der Grüne Bildungskongress am 21. März in Gelsenkirchen an, auf dem wir mit gesellschaftlichen Akteuren wie beispielsweise Elternräten, bildungsrelevanten Gewerkschaften, Handwerkskammern, Schülervertretungen und Migrantenverbänden ins Gespräch kommen wollen. Wir laden dazu ein, sich mit uns über dringend notwendige Reformen zu verständigen und für bessere Bildung und mehr Chancengerechtigkeit einzutreten. Das ist nicht nur mit Blick auf Nordrhein-Westfalen von Bedeutung, schließlich stehen 2011 weitere Landtagswahlen an. Es ist aus meiner Sicht auch ein wichtiger Schritt, um in der ideologisch geprägten Bildungsdebatte zu einem breiteren Konsens über die gute Schule und neue Bildung zu gelangen.

Euer
Cem

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