Bildungswüste Deutschland

20.07.2009: Zum erwarteten Mangel an Lehrern und Fachkräften erklärt Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

"Die Prognosen des Instituts der deutschen Wirtschaft und des Deutschen Philologenverbandes zum erwarteten Mangel an Lehrern und Fachkräften im Bereich Mathematik, Naturwissenschaften und Technik sind alarmierend, jedoch wenig überraschend: Sie beziehen sich auf die zu erwartenden Ausscheide-Zahlen aufgrund von Rente und Ruhestand und fallen damit nicht vom Himmel. Seit Jahren ist klar, dass das deutsche Bildungssystem nicht in der Lage ist, die Ausfälle durch die Ausbildung von Nachwuchs auszugleichen. Das ist ein Armutszeugnis für eine hoch zivilisierte Industrienation wie Deutschland und zeigt die skandalöse bildungspolitische Ignoranz eines Landes, das ohne nennenswerte Rohstoffe auf die Köpfe der Menschen bauen muss.

In der Bildungswüste Deutschland entscheidet immer noch vor allem die soziale Herkunft über die Bildungschancen jedes Kindes. Der Zugang zur Hochschule ist vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen allein aufgrund von strukturellen Hindernissen verbaut, nicht etwa aufgrund fehlender Begabung. So haben viele junge Talente in Deutschland anstatt mit Klausuren mit ihrer Herkunft, den fehlenden finanziellen Mitteln für ein Studium oder der mangelnden Durchlässigkeit zwischen Berufsausbildung und Studium zu kämpfen. Diese gesellschaftlichen Blockaden müssen überwunden werden, wenn wir als Ganzes nicht zurückfallen wollen.

Wenn nicht endlich entschlossen gehandelt wird, droht sich der prognostizierte Fachkräftemangel durch das Fehlen von Lehrkräften in den Technik- und naturwissenschaftlichen Fächern zur Katastrophe für den Standort Deutschland auszuweiten. Wir Grüne fordern deshalb einen Bildungssoli, der die notwendigen Investitionen im Bildungsbereich ermöglicht, die Mitwirkung des Bundes in der Bildungspolitik, eine Qualitätsoffensive in den Schulen, mehr Lehrpersonal, 500 000 zusätzliche Studienplätze in den kommenden fünf Jahren, das Abschaffen von Studiengebühren, eine gerechtere Studienfinanzierung sowie die Durchlässigkeit von Schule, Hochschule und Beruf."

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