Die Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko - Drei Fragen und Antworten

1. Nachdem die Eindämmung der Öl-Katastrophe nicht so recht voran kommt, greift die Obama-Administration BP scharf für das Krisenmanagement an. Was hat es mit den bisher von BP ergriffenen Maßnahmen auf sich, um die Katastrophe in den Griff zu bekommen?

Cem Özdemir: BP hat in erster Linie versucht, Desinformation zu betreiben. Die Katastrophe wurde und wird weiterhin kleingeredet, hilflose Versuche das Leck abzudichten, wurden vorschnell als Erfolg verkauft und schließlich wird gegenüber der Öffentlichkeit so getan, als ob es sich um einen kleinen Unfall auf dem eigenen Betriebsgelände handelte. Diese Vorgehensweise als unverantwortlich zu bezeichnen, ist angesichts des angerichteten Schadens untertrieben.

2. Hat auch die Obama-Administration Fehler im Verlauf der Krise gemacht?

Cem Özdemir: Wie fast immer bei einer solchen Katastrophe, hat es viel zu lange gedauert, bis entschlossen gehandelt wurde. Es darf nicht sein, dass jedesmal, wenn ein Tanker sinkt, eine Bohrinsel brennt oder ähnliches passiert, erst mal abgewartet wird. Im Interesse der Allgemeinheit und der Abwehr schlimmerer ökologischer (und auch wirtschaftlicher) Schäden, braucht es einen einsatzbereiten, auf solche Situationen vorbereiteten und reaktionsschnellen Krisenstab. Eine bei der UNO angesiedelte Umweltbehörde könnte dafür der richtige Ort sein.

3. Welche politischen Konsequenzen sollten aus dem Unglück gezogen werden?

Cem Özdemir: Des Pudels Kern ist unsere globale Abhängigkeit vom Öl. Der Hunger nach Öl wächst, die Fördermenge wird perspektivisch aufgrund schrumpfender Vorräte sinken und die Preise dadurch steigen. Damit wird es immer lukrativer, auch an den unmöglichsten Orten Öl zu fördern. Verbote von Ölbohrungen an ökologisch sensiblen Orten sowie auch dort, wo ein hohes Unfallrisiko besteht, sind notwendig. Wichtiger ist aber, dass wir heute schon die erneuerbaren Alternativen fördern, damit wir in Zukunft auf das riskante und klimaschädigende Geschäft mit dem Erdöl verzichten können. Die steigenden Energiepreise bieten dazu eine Chance, weil erneuerbare Energien dadurch kostengünstiger werden. Ob sie uns aber ausreichend zur Verfügung stehen werden, ist eine politische Angelegenheit, die wir heute zu entscheiden haben.

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