Aufruf der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) zu einer Großdemonstration gegen Terror
17.11.2004: Für ein breites Bündnis der Muslime gegen Terror und Gewalt
Zum Aufruf der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) zu einer Großdemonstration gegen Terror und Gewalt am 21. November 2004 in Köln erklären Cem Özdemir, MdEP, Bündnis 90/Die Grünen und Omid Nouripour, Mitglied im Bundesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen
"Wir begrüßen den Aufruf von DITIB zu einer Großdemonstration gegen Terror und Gewalt. Sie steht unter dem Motto ‚Hand in Hand für Frieden und gegen Terror’. Wir hoffen, dass die in Deutschland lebenden Muslime zahlreich erscheinen werden, um terroristische Verbrechen zu verurteilen, die im Namen des Islam begangen werden.
Wir fordern die Muslime in Deutschland auf, ihre Religion und ihre Organisationen in der demokratischen Gesellschaft zu verankern. Auch deshalb sind der Aufruf und die Demonstration ein wichtiger Schritt in Richtung zivilgesellschaftlicher Integration.
Gleichzeitig bedauern wir jedoch auch die Vorgehensweise von DITIB. Der Aufruf wäre eine gute Gelegenheit gewesen, die muslimischen Organisationen in Deutschland bereits im Vorfeld an einen Tisch zu bringen. Denn es wäre wünschenswert gewesen, dass DITIB gemeinsam mit anderen muslimischen Organisationen zur Großdemonstration aufruft. Das hätte dem wichtigen Anliegen von vorneherein ein größeres Gewicht verliehen. Entsprechend haben wir bereits Mitte Oktober einen Aufruf formuliert, den wir an verschiedene muslimische Organisationen gerichtet haben. Unser ausdrückliches Ziel war es, die muslimischen Organisationen zusammenzubringen und gemeinsam zu einer Demonstration aufzurufen. Bedauerlicherweise hat DITIB diese Chance nicht wahrgenommen."
AUFRUF!
Aufruf an alle säkularen und praktizierenden Muslime in Deutschland, islamisch begründete Terrorverbrechen zu verurteilen!
Wir, die Muslime Deutschlands, einerlei ob säkular oder gläubig, ob praktizierend oder nicht praktizierend, verurteilen nachdrücklich alle terroristischen Verbrechen, die im Namen des Islam begangen werden. Wir lehnen es vehement ab, dass im Namen des Islams unschuldigen Kindern und Menschen das Leben geraubt wird. Es ist nicht und kann niemals im Sinne einer Religion sein, die Bevölkerung zu terrorisieren. Durch solche Verbrechen wird der Islam in ein falsches Licht gerückt, das wir wieder korrigieren müssen. In der Vergangenheit entstand der Eindruck, dass alle Muslime potenzielle Islamisten und Terroristen seien. Wir haben sowohl öffentlich als auch im persönlichen Gespräch mit unseren Mitbürgern deutlich gemacht, dass eine Minderheit unsere Religion missbraucht. Der Islam ist, ebenso wie das Christentum und das Judentum, eine Religion des Friedens.
Trotzdem - wir dürfen die auch weiterhin vorhandenen Befürchtungen unserer Mitbürger, Nachbarn und Freunde nicht ignorieren, die durch tägliche Meldungen über fundamentalistische islamistische Terroranschläge genährt werden. Wir wollen einer Entwicklung, die unsere Religion in der öffentlichen Wahrnehmung immer mehr mit Terrorismus, Menschenhass und der Unterdrückung von Frauen in Verbindung bringt, nicht tatenlos zusehen. Es liegt in unserer Hand, dieses Bild wieder zurechtzurücken. Deshalb möchten wir - egal ob Araber, Perser, Iraker, Afghanen, Türken oder Kurden, ob Sunniten, Schiiten oder Aleviten - gemeinsam eine Position beziehen und Deutschland mitteilen: Wir und auch andere Muslime auf dieser Welt wollen ein friedliches Miteinander von Christen, Juden, Muslimen, Buddhisten, Hindus und Atheisten. Wir verurteilen den Terrorismus, der in unserer aller Namen und Religion, der im Namen von Gott begangen wird und rufen zum gemeinsamen Protest auf!
Unterstützt von:
Cem Özdemir, MdEP, Bündnis 90/Die Grünen
Omid Nouripour, Mitglied im Bundesvorstand Bündnis 90/Die Grünen
Alevitische Gemeinde Deutschland e.V.
Deutsch-türkische Gesundheitsstiftung (DGS)
Europäisch-Türkische Union (ETU)
Gesellschaft für muslimische Sozial- und Geisteswissenschaftler e.V.
Rat der türkischen Staatsbürger (RTS)
Verein zur Förderung des Gedankenguts Atatürks in der BRD e.V. (AADD)
Dr. Katajun Amirpur, Islamwissenschaftlerin
Dr. Hamid Jassin, Uni Halle, Dichter
Dr. Navid Kermani, Islamwissenschaftler, Autor
Dr. Ismail H. Yavuzcan










