Antikriegstag: Erinnerung und Mahnung

02.09.2008: Auch 69 Jahre nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen ist der Frieden selbst in Europa noch nicht überall sicher. Die WAZ berichtet über die Gedenkveranstaltung des DGB Niederrhein.

Am 1. September 1939 marschierte die deutsche Wehrmacht in Polen ein. Dieses Datum markiert den Beginn des Zweiten Weltkriegs. Aus diesem Anlass lud der Deutsche Gewerkschaftsbund Niederrhein (DGB) gestern Abend zu seiner alljährlichen Antikriegstags-Veranstaltung ins Rathaus ein.

Bereits auf dessen Stufen forderte ein Plakat: "Nie wieder Krieg - ächtet endlich den Krieg." Dass dies Wunsch, aber noch lange nicht Realität ist, unterstrich Rainer Bischoff in seiner Begrüßungsrede. "Der Versuch der Erinnerung und der Mahnung scheitert jetzt gerade im Kaukasus", so der Vorsitzende des DGB Niederrhein. Dem schloss sich Oberbürgermeister Adolf Sauerland in seinem Grußwort an: "Der Friede ist ein äußerst fragiles Gut geblieben."

Wie steht es um die Verantwortung der in Deutschland lebenden Migranten für die Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs? Zur Beantwortung dieser Frage hatte der DGB den Europaabgeordneten der Grünen, Cem Özdemir, eingeladen. Er fand klare Worte: "Wer Staatsbürger dieses Landes wird, kann sich nicht Goethe, Schiller und Hölderlin rauspicken und sagen, mit '33 bis '45 hab' ich nichts zu tun."

Spontanen Beifall erntete der Europapolitiker für seinen Hinweis, die Situation der Migranten dürfe keinesfalls mit jener der Juden im Nationalsozialismus verglichen werden: "Nichts davon rechtfertigt einen Vergleich. Das ist eine Verharmlosung des Nationalsozialismus."

Dieser gelte es entgegenzuwirken, so Özdemir weiter. Gerade in einer Zeit mit immer weniger Zeitzeugen sei es umso wichtiger, eine "Erinnerungskultur" zu schaffen. "Ich würde mir wünschen, dass auch heute die Kinder mit Vorbildern aus dem Widerstand aufwachsen."

Statt einem Geist des Nationalimus forderte Özdemir einen Geist Europas, der besonders die Jugendlichen gelehrt werden müsse. "Die EU ist vielleicht das erfolgreichste Friedensprojekt, das aus dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist."

Im Anschluss an Özdemirs Rede endete die Gedenkveranstaltung mit der traditionellen Kranzniederlegung an der Ruhrorter Straße.

Quelle: WAZ, 02.09.2008

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