Duisburg als ein Vorbild für Köln

28.10.2008: Der künftige Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir lobt die Großmoschee in Marxloh als beispielhaft.

Von Nina Schmedding

Cem Özdemir kennt beide Welten - und als "anatolischer Schwabe" fühlt er sich nach eigenem Bekunden in beiden zu Hause: in der deutschen Welt genauso wie in der türkischen. Deshalb hat der designierte Grünen-Parteichef auch eine ganz eigene Sicht, was den Bau von Großmoscheen - wie der am Sonntag in Duisburg eröffneten - anbelangt. Ängste kämen bei solchen Projekten längst nicht nur bei Nichtmuslimen auf, sondern auch bei Muslimen. "Der Bau von Moscheen wird in der türkischen Community mindestens so kontrovers diskutiert wie in der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Das wird nur oft vergessen." Auch bei den muslimischen Migranten gebe es eben alle Positionen bis zur Einstellung, die kleinen Hinterhofmoscheen reichten völlig aus, und eine geplante Großmoschee sei übertrieben, wenn nicht sogar gefährlich.

Den Duisburger Moscheebau hebt der Europaabgeordnete, der voraussichtlich bald der erste Bundesparteichef mit Migrationshintergrund sein wird, aber ausdrücklich als vorbildlich heraus. "Er ist sicherlich eines der positivsten Beispiele für Moscheebauten überhaupt. Alle haben zusammengearbeitet, vom Oberbürgermeister bis zur Türkisch-Islamischen Union Ditib. Mögliche Probleme wie die Zahl der Parkplätze, die Lautstärke sowie die Höhe des Minaretts sind hier im Voraus berücksichtigt und im Konsens gelöst worden. So konnten Ängste gar nicht erst aufkommen."

Besonders zwei Dinge gefallen Özdemir, der am Sonntag in Duisburg mitgefeiert hat: "Die Aktivität der Frauen hier, die sehr gut deutsch sprechen und das Zepter in der Hand haben. Und das angegliederte Begegnungszentrum, in dem alle kritischen Themen wie Ehrenmorde oder Zwangsehen offen angesprochen werden. So vorbildlich wünsche ich mir die Debatte und den Bau von Moscheen auch in Zukunft. Wenn das alle so machen würden, hätten wir eine Sorge weniger." Auch Köln könne sich von der Planung der Duisburger Moschee eine Scheibe abschneiden.

Özdemir betont weiter, grundsätzlich sollten "Gotteshäuser kein verlängerter Arm einer wie auch immer gearteten politischen Kraft sein. Weder türkische noch kurdische Ultranationalisten sollten die Regie über Moscheen haben."

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger, 28.10.2008

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